Montag, 27. Februar 2012

Ein kleines Abenteuer in den Vogesen - Firnkurs beim DAV

Nachdem ich im letzten Jahr den Kletterkurs bei den Bergfreunden Saar absolviert hatte, bot sich jetzt eine kleine Fortsetzung an, nämlich der Firnkurs. Anfangs wusste ich ja noch nicht, auf was ich mich da einlassen würde, aber nach einigen Recherchen war klar: das wird spannend.


Zusammen mit SaarFuchs war die Teilnahme recht schnell geplant und da ich die beiden Ausbilder Günter Müller und Ramona Richter noch in sehr positiver Erinnerung von den Touren am Battert hatte, stieg die Vorfreude. Dennoch war dann knapp 2 Wochen vor dem geplanten Termin am 25. und 26. Februar 2012 die Erkenntnis irgendwie doch überraschend, dass mir ja noch einiges an Ausrüstung fehlte. Also bin ich schnell zum Horizont und habe dort dank fachmännischer Beratung ein paar schicke Schühchen mit "Parkettpflege-Untersätzen" der Marke 12-Zack gekauft.

Am letzten Freitag ging's dann endlich los in Richtung Vogesen, zum Tanet, die Anreise war völlig problemlos und entspannt.


In unserer Unterkunft, der Auberge du Schantzwasen angekommen, wurden wir bereits von unseren Ausbildern erwartet und kurz nacheinander trudelten dann noch weitere bekannte Gesichter ein, denn alle Teilnehmer waren mir vom ersten Kletterkurs in freudiger Erinnerung geblieben. Und so konnten wir schon während eines ersten gemeinsamen Abendessens das komfortable Ambiente der Hütte geniessen.



Am nächsten Morgen war es dann nach ausgiebigem Frühstück an der Zeit, sich der Herausforderung zu stellen. Ich hatte nicht damit gerechnet, Ende Februar in einem Mittelgebirge doch so gute Verhältnisse für den Kurs vorzufinden, aber als wir dann am nächsten Morgen nach kurzer Autofahrt am Hohneck ankamen, war schnell klar, dass wir - dank unserem Ausbilder - keinen Kinderspaziergang machen würden.

 








So wurden die Steigeisen angelegt und nach kurzem Eingehen ging's zur ersten Lektion, dem Gehen mit Steigeisen auf Firn sowie den ersten Übungen zum Einsatz des Pickels.



Wir konnten dabei auch gleich eine realistische Rettungsübung einlegen, da Mirco einen unschuldigen Handschuh unerschrocken und furchtlos den Unbillen eines Talsturzes aussetzte. Günter kam das offensichtlich gerade recht, denn nun hatte unser Lehrmeister gleich mal ein Ziel für den Ab- und Aufstieg. Hierbei lernten wir dann verschiedene Auf- und Abstiegstechniken, erfuhren, wie man beim Gehen in Serpentinen wendet unter Einsatz des Pickels, spürten aber auch schon, wie sinnvoll es ist, in den Spuren des jeweiligen Vordermannes zu gehen. Auch grundlegende Techniken zum Bremsen von Rutschen per Liegestütz (ohne Steigeisen) und mit angewinkelten Unterschenkeln (mit Steigeisen) erklärte uns Günter.


Aber gleich darauf ging auch wieder ernsthaft weiter mit der nächsten Lektion, dem Bau eines T-Ankers als Fixpunkt im Schnee. Da ja alle Teilnehmer mit den Grundlagen der Knoten- und Sicherungstechnik vertraut waren - das war ja immerhin eine der Teilnahmevoraussetzungen - konnten wir uns gleich auf das Wesentliche konzentrieren: wie baut man einen Sicherungspunkt unter Zuhilfenahme des eigenen Pickels und einer Bandschlinge.






Das Beste an allen Lektionen und Übungen war auch hier, dass uns nicht nur theoretisch erklärt und vorgeführt wurde, sondern dass jeder von uns mehrfach alle selbst so lange üben konnte, bis alles Wesentliche verinnerlicht war. So muss ein Kurs aufgebaut sein, lehrreich, spannend und vor allem sehr praxisnah. Nun konnten wir also selbst erfahren, indem wir ein Fixseil einbauten und dies über die Schneewechte den Abhang heruntergelassen hatten, dass dieser eingegrabene Pickel tatsächlich einen Menschen beim Abseilen halten kann.




Im nächsten Schritt lernten und übten wir dann das Sichern und Gehen am Fixseil im doch schon recht steilen Gelände. Hier zeigte sich ein weiteres Mal, wie sinnvoll so eine praktische Ausbildung ist, denn wir alle - obwohl es jedem in der Theorie natürlich klar ist - hatten beim schnellen Abstieg (man sollte eher sagen: Stürzen) über die Schneewechte nach unten, vergessen, den Prusik-Knoten loszulassen, damit der sich selbst zuzieht. Und so erfuhren wir dann doch ein weiteres Mal, dass die Schwerkraft einen ganz schön schnell nach unten ziehen kann. Aber dank sanft auslaufendem Hang und weichem Schnee bestand auch hier keinerlei Verletzungsrisiko.




Nun sollte uns als Nächstes natürlich wieder mühevoll klar werden, was man macht, wenn man einen Hang runter gegangen bzw. gerutscht ist: man muss wieder nach oben.


Dazu erklomm SaarFuchs den Steilhang und unter fachmännischer Aufsicht unseres Ausbilder baute er einen weiteren T-Anker und am daran gesicherten Fixseil erklommen die übrigen Teilnehmer die Steigung. Und im Anschluss gelang es uns allen natürlich, die Schneewechte auch wieder zu übersteigen. Gut, dass wir zu jeder Zeit gesichert waren, nun ganz klassisch im Vor- bzw. Nachstieg.



Der Nachmittag stand dann voll und ganz im Zeichen der Spaltenbergung, also der Frage: wie bekommt man ein Mitglied einer Seilschaft sicher wieder aus einer brenzligen Situation. Nach der theroretischen Einweisung standen auch hier wieder ausgiebige Übungen in zwei Gruppen an, und da jeder von uns an jeder Position der Dreierseilschaft üben durfte, hatte man alle Erfahrungen gesammelt - von "Opfer" über "Sicherer" zu "In-den-Schnee-Stützer" und "Retter".



In der Auberge "Le Pied du Hohneck" konnten wir uns dann aufwärmen und zurück in unserer Übernachtungsunterkunft am Schantzwasen war es an der Zeit, nach einer warmen Dusche die verbrauchten Kalorien mit einer leckeren Pastete wieder aufzufüllen.

Am nächsten Morgen erklommen wir dann gemeinsam ca. 200 Höhenmeter bis fast zum Gipfel des Tanet, indem wir mit den Steigeisen ausgerüstet neben der Skipiste entlang stapften.


Nach diesem schweißtreibenden Frühsport stand als erste Übung zum Vertiefen des frisch erlernten der erneute Bau eines T-Ankers - oder "toten Mannes" - an, immer sehr praxisnah, mit anschliessender mehrfacher simulierter Spaltenbergung.










Günter erklärte uns dann auch noch, wie man sich mit einer Rucksackabwurfschlinge im Falle eines Falles das Hängen im Sitzgurt erleichtert, indem man seinen eigenen Rucksack einfach unter sich selbst - und damit in direkter Falllinie unterhalb der Anseilschlaufe - an einer Bandschlinge hängen lässt.

Als kleine Zwischenablenkung stiegen wir dann noch ganz hoch zum Tanet und begannen dort mit den Übungen zum Gehen in der Dreierseilschaft







Das klingt wesentlich leichter als es dann in der Praxis ist, zwar ist es recht einfach auf ebener Strecke die Seilstücke straff zu halten, aber beim Überspringen einer simulierten Spalte sackten wir alle beim Absprung ganz schön tief in den Schnee - und dadurch wurde der Sprung natürlich viel kürzer als erwartet. Zu guter Letzt wurden dann nochmal diverse Fall- und Sturzübungen absolviert, mit und ohne Pickel.

Alles in Allem war es ein äußerst gelungenes, spannendes, lehrreiches und unterhaltsames Wochenende unter sehr netten Freunden. Ich kann mich da nur SaarFuchs anschliessen, der in seinem Blog "SaarFuchs on Tour" schon jedem Interessierten diesen Kurs empfohlen hat.

Ein ganz besonderer Dank geht von mir an unsere Ausbilder Ramona und Günter, denen man jederzeit anmerkte, wie viel Können, aber auch Spass an der Sache da vorhanden ist.


Zum Abschluss noch ein paar weitere Impressionen:
















PS: alle Kartenausschnitte hier sind von OpenStreetMap.

1 Kommentar:

  1. Wow.... Wahnsinn... da war ich auch schon mal. Allerdings im Sommer. Tolle Gegend! Gruß aus Hessen, Jörg

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